Das Kiefergelenk und seine Verbindung zum Zungenbein

Das Temporomandibulargelenk ist das einzige echte Gelenk im Schädel. Der Unterkiefer entwickelt sich – wie der Oberkiefer – aus dem Meckelschen Knorpel. Auch die Entwicklung der Ohrknöchelchen geschieht aus demselben Schlundbogen heraus. Nicht zu vergessen, der Unterkieferast des Trigeminusnervs findet hier ebenfalls seinen Ursprung. Ober- und Unterkiefer sind von ihrer Anlage her verformbare Knochen.

Aus dem zweiten und dritten Schlundbogen entwickelt sich das Zungenbein mit seinen muskulären Verbindungen zu Unterkiefer, Felsenbein, Brust- und Schlüsselbein und sogar Schulterblatt. Hier setzen auch Teile der Rachen- und Zungenmuskulatur an. Das Zungenbein findet sich auf Höhe des dritten und vierten Halswirbels.
In der Osteopathie wird das Zungenbein als eine Art Wasserwaage betrachtet. Seine Ausrichtung ist physiologisch parallel zur Horizontallinie.

Vor diesem Hintergrund fällt immer wieder auf, dass das Zungenbein parallel zum Boden eingestellt ist, also dass sich die „Waage im Wasser“ befindet. Kopf oder Unterkiefer befinden sich trotzdem gerne in Schieflage. Spannungen und Fehlfunktionen sind die Folge. Hieraus können sich Kiefergelenksdysfunktionen und auch HWS-Verspannungen entwickeln.

Interessant in diesem Zusammenhang ist sicher auch die Verknüpfung zwischen dem Kerngebiet des Trigeminus im verlängerten Mark – welches bis zum dritten Halswirbelkörper hinabreicht – und seinen Querverbindungen zum Kiefergelenk (N. auriculotemporalis) und den Meningen.

Durch solche Fehlspannungen können sich auch funktionale Beinlängendifferenzen einstellen, die sich durch Behandlung der Kiefergelenksstörung spontan korrigieren lassen. (Wilhelm Entrup, „Sind Habits, Tics, Bruxismus, Sprachfehler und orofaziale Dyskinesien eine Expression notwendiger kraniosakraler und posturaler Autoregulation des Menschen?“, Osteopathische Medizin – Heft 3/2008, S. 26ff, Urban & Fischer)

Obiges Beispiel soll zeigen, dass der Einflussbereich des Kiefergelenks sehr weitreichend ist. In diesem Zusammenhang werden Kopfschmerzprobleme, diffuse Schulterschmerzen aber auch Hüftgelenksfehlstellungen diskutiert. Eine individuelle Analyse – auch multidisziplinär – ist Voraussetzung für eine auf Dich abgestimmte Therapie.

Bildnachweis: magicmine
Stock-Fotografie-ID: 1324221946

Zuletzt bearbeitet am 4. Januar 2022 um 9:01 Uhr.

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